Wegweisende Entscheidungen stehen an, um unsere Zukunft erfolgreich zu gestalten. Künstliche Intelligenz wird die Art und Weise verändern, wie wir arbeiten, leben und als Gesellschaft funktionieren. Die Digitalisierung Deutschlands und Europas wird ganz neue Möglichkeiten eröffnen und die Gräben zwischen den Ländern verkleinern.
Was tun wir, damit niemand abgehängt wird? Welche Weichen sind zu stellen, um die Veränderungen erfolgreich zu gestalten?
An dieser Stelle finden Sie kurze Zusammenfassungen der wichtigsten Themen.
Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst des Fachkräftemangels. So kommentiert das Handelsblatt in einem eindringlichen Appell, Wirtschaft und Statt müssten eng zusammenarbeiten, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden. Werden fehlende Fachkräfte tatsächlich zum Problem? Was ist eigentlich ein Mangel an Fachkräften?
Nachfrage und Angebot – die Zukunft der Arbeit
Simpler ökonomischer Sachverstand sagt uns folgendes: Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, müssen die Preise steigen. Dies gilt für den Arbeitsmarkt ebenso, wie für alle anderen Märkte. Zunächst einmal müssen also die Löhne der Branchen steigen, in denen Fachkräftemangel herrscht, in denen also zu wenig Menschen bereit sind, für den angebotenen Lohn zu arbeiten. Aktuell ist dieser Mangel in sozialen Berufen wie der Pflege und der Erziehung besonders groß – eben weil hier besonders schlecht gezahlt wird. Fachkräftemangel bedeutet also zunächst einmal nur, dass der Lohn für die Fachkräfte zu gering ist.
Der Arbeitsmarkt verfügt zudem über eine große “stille Reserve”. Das sind mitunter hoch qualifizierte Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund, die heute aus verschiedenen Gründen keiner bezahlten Arbeit nachgehen. Diese Reserve wird durch höhere Löhne ebenfalls aktiviert, denn die Opportunitätskosten – also der wirtschaftliche Verlust bei Nicht-Arbeit – steigen.
Steigende Löhne indes werden die Unternehmer und ihre Firmen zum Umdenken zwingen. Technologische Lösungen, die in der Regel einer hohe anfängliche Investition bedürfen, die sich dann aber rasch amortisiert, werden attraktiver. In vielen Fällen wird der Unternehmer also vor der Wahl stehen, seine Löhne zu erhöhen oder in Technologie zu investieren.
Die Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit
Aber führen steigende Löhne nicht dazu, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr Wettbewerbsfähig ist? Natürlich nicht. Die Wettbewerbsfähigkeit hängt nicht mit der absoluten Höhe der Arbeitskosten zusammen, sondern mit der Produktivität der Arbeit. Nicht Quantität sondern Qualität entscheiden hier! Und eben diese steigt durch Automatisierung und Digitalisierung derzeit rasch an. Die Voraussetzungen für die Vermeidung eines zukünftigen Fachkräftemangels sind also eindeutig gegeben. Wer sich um die Zukunft sorgt und dafür plädiert, der Fachkräftemangel sei nur über den Zuzug von ausländischen Fachkräften zu vermeiden, der verkennt einerseits simple wirtschaftliche Zusammenhänge und fürchtet geradezu eine Erhöhung der Löhne (und Gehälter) – obwohl diese für Arbeitnehmer und Sozialversicherungen äußerst positiv wären.
Arbeit und Bildung in der Zukunft
Die nachhaltige Steigerung der Qualität der Arbeit kann allerdings nur gelingen, wenn frühzeitig die Weichen dafür gestellt werden – primär über ein besserer Bildungssystem sowie Anreize für die Menschen, sich ständig weiterzubilden und offen zu bleiben für neue Technologien. Der gut ausgebildete Mensch wird zusammenarbeiten mit technologisch ausgefeilten Maschinen, die ihm erst eine entsprechende Produktivität ermöglichen.
Die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts wird somit die Menschen mündig machen, denn die Spezialisierung der Arbeitnehmer ist ein hohes gut, dass es nach Möglichkeit zu bewahren gilt. Unternehmen werden in viel höherem Maße um Arbeitnehmer werben müssen und viel mehr tun, um sie an ihr Unternehmen zu binden. Fachkräftemangel erweist sich dann als reiner Führungsmangel.
In der neuen Arbeitswelt heiß es nicht mehr Mensch gegen Maschine sondern Mensch MIT Maschine. Die gesteigerte Produktivität und Automatisierung wird zur Folge haben, dass Menschen weniger auf Grund reiner wirtschaftlicher Notwendigkeit einer Arbeit nachgehen.
Die Grundgedanken aus diesem Artikel sind angelehnt an Thomas Straubhaar, Die Stunde der Optimisten, S. 86 ff.
Moderne Gesellschaften sind mobile Gesellschaften. Verkehr ist zentrale Voraussetzung für das Funktionieren unseres Wirtschaftssystems – ja, sogar unserer Gesellschaft. Verkehr sichert die Versorgung der Menschen, ermöglicht Handel über die regionalen Grenzen hinaus und ermöglicht außerdem ortsgebundene Arbeit durch Fachkräfte. Heute dominiert der Verbrennungsmotor den Individualverkehr, doch das war längst nicht immer so:
Um das Jahr 1900 konkurrierten noch 3 Antriebssysteme nahezu auf Augenhöhe. Dampf, Benzin und Elektroantrieb. Das damals bereits verlässliche Elektroauto wurde jedoch als Frauenauto stigmatisiert, hat sich somit auch aus soziokulturellen Aspekten heraus nicht durchgesetzt.
Heute wird aus ökologischer Perspektive eine gegenteilige Entwicklung angestrebt. Durch etablierte Märkte und Strukturen im Verkehrssektor, die primär auf konventionelle Verbrennungsmotoren ausgerichtet sind, sind die erforderlichen Anstrengungen jedoch kaum vergleichbar. Wenn die Verkehrswende politisches Ziel ist, so haben die politischen Akteure daher primär die Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen und den Wandel durch geeignete Maßnahmen zu forcieren. Ein übergreifendes verkehrspolitisches Konzept sind die verantwortlichen Stellen jedoch stets schuldig geblieben. Stattdessen setzte die Politik auf einzelne Pilotprojekte und Quotenregelungen.
Elektroautos in Deutschland
Die Automobilindustrie in Deutschland nimmt seit dem ersten Elektro-Hype um 1990 herum in Sachen Elektroautos eine auffallend passiv-abwartende Position ein. Innovationen in der e-Mobilität wurden wenn überhaupt nur zögernd angegangen und beschränkten sich auf den Austausch des Motors bei gleicher Karosserie – also letztlich auf Umrüstungen existierender Modelle, was aus mehreren Gründen nicht zielführend ist. Die Kontroverse um das Elektroauto und das Innovationsfeld Verkehr offenbaren sich als eine Arena, in der unterschiedliche soziale Akteure um politische Deutungsmacht kämpfen.
Wegen der begrenzten Reichweite bot sich das Elektrofahrzeug in den vergangenen Jahrzehnten gleichsam nicht als vollwertiger Ersatz für die Benziner an. Das trifft mit gewissen Einschränkungen auch auf die Brennstoffzelle zu, die letztlich auch eine Oxidation (von Wasserstoff oder Methanol bei niedrigeren Temperaturen) ist, zu: Während ein 40-Tonner mit konventionellem Antrieb eine Reichweite von ca. 2.500 Kilometern hat, müsste ein heutiger Brennstoffzellen-Lkw mit gleichem Tankvolumen bereits nach 300 bis 400 Kilometern nachtanken.
Mobilität und Verkehr im historischen Kontext
Der Fokus verkehrspolitischer Überlegungen hat sich in den letzten 2000 Jahren immer wieder verschoben: Anfangs sorgten militärische Überlegungen für Innovationen im Verkehrssektor – siehe römisches Reich. Über gepflasterte Straßen war die Verlegung von Soldaten schneller möglich. Später war es dann die Eisenbahn, die den Transport gewaltiger Truppen in kürzester Zeit realisieren konnte. Zum Glück wurde dann die wirtschaftliche Entwicklung Triebfeder der Entwicklung von Verkehrsinfrastruktur. Heute rücken ökologische Facetten des Verkehrssektors immer mehr in den Mittelpunkt.
Die ökologische Perspektive offenbart: Verkehr ist der einzige Wirtschaftszweig, in dem die CO²-Emissionen noch ansteigen. In den anderen großen Sektoren (Privathaushalte, Energie, Industrie, Landwirtschaft) sinken die Emissionen oder stagnieren zumindest.
Verkehr und das Pariser Klimaschutzabkommen
Die nachhaltigen Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens bedingen eine Einsparung von CO2. Dies wird auch für den Verkehrssektor unumgänglich sein, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dabei können zwei Ansätze unterschieden werden:
Technische Innovationen mit dem Ziel der Steigerung von Effizienz und Effektivität im Verkehrssystem, wie beispielsweise die Entwicklung sparsamer Motoren oder der Einsatz wiederverwendbarer Rohstoffe und
soziale Innovationen – also Verhaltensänderungen der Individuen einer Gesellschaft, die dazu beitragen, dass weniger Verkehr entsteht.
Konsens ist heute – zumindest in weiten Teilen Europas, dass bis 2035 der Ausstoß von CO² substanziell gesenkt werden muss, um das Klimaziel zu erreichen. Das Klimaziel ist, die globale Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen. Die Auswirkung einer Erwärmung über 2 Grad hinaus hätten mithin katastrophale Folgen in Bezug auf den Anstieg des Meeresspiegels und weiterer kritischer Faktoren. 2035 stellt mithin den Point of no return für das 2° Klimaziel dar, dass zu diesem Zeitpunkt noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 67% eingehalten werden kann. Wollen wir hingegen eine Sicherheit von 95% erreichen, so muss die substanzielle Reduktion von CO² Ausstoß bereits bis 2022 erfolgen. Die Zusammenfassung einer Oxford-Studie hierzu finden Sie hier.
Effizienzgewinne in der Antriebstechnik werden derzeit allerdings überkompensiert durch mehr Verkehr, weitere Strecken, größere Autos. Neben technischen Innovationen sind daher soziale Innovationen im Sinne von Verhaltensänderungen notwendig. Dazu zählen auch der Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, der leider aktuell nicht spürbar auf der politischen Agenda steht.
Der öffentliche Nahverkehr steht nicht auf der politischen Agenda.
Die Situation in Deutschland
Deutschland ist jedoch nach wie vor Autoland. Das wurde kürzlich in der Debatte rund um das Tempolimit nochmals deutlich. Das Auto gilt seit seiner Erfindung als der Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit. Jeder Versuch, die Vormachtsstellung des Verbrennungsmotors zu brechen, stößt auf erbitterten Widerstand der Traditionalisten um die CDU. Das ist zum Teil verständlich, wenn man bedenkt, in welchem Ausmaß die deutsche Wirtschaft von der Automobilindustrie im Allgemeinen und dem Verbrennungsmotor im speziellen abhängig ist. Mithin ist die Anschaffung und Nutzung eines Autos in vielerlei Hinsicht völlig irrational. Eine aufschlussreiche Untersuchung wurde kürzlich von der Ellen Mac Arthur Stiftung vorgenommen. Ein paar Kernbotschaften der Untersuchung lauten wie folgt:
Das durchschnittliche Auto in Europa ist 92% der Zeit ungenutzt (geparkt) und
hat fünf Sitzplätze, von denen nur 1,5 je Fahrt genutzt werden
Die Infrastruktur (Straßen, Parkraum, Tankstellen) nehmen 50% der Fläche einer Stadt ein.
Die Straßen sind gleichsam nur zu 5% der Zeit voll ausgelastet – wobei sie dann trotzdem nur zu 10% von Autos bedeckt sind.
In Europa kommt es jährlich zu ca. 30.000 Todesfällen und 4x so vielen Schwerverletzten im Straßenverkehr.
Dabei ist die Unfallursache zu 95% in menschlichem Versagen zu finden.
Steuerung der Verkehrswende
Zur Durchsetzung innovativer Antriebstechnologien sind neben politischem Willen weitere Kriterien entscheidend:
Infrastruktur und Fahrzeuge müssen zu akzeptablen Kosten zur Verfügung stehen – hier ist auch eine politische Steuerung über Subventionen, Steuervergünstigungen und ordungspolitische Regelungen gefragt.
Die Energiedichte des zugrunde liegenden Speichermediums muss dem Fahrzeug ausreichend Energie zur Verfügung stellen. Hier hat das Elektroauto noch Schwächen, da die Energiedichte der Batterien noch keine Strecken erlaubt, die an die Reichweite konventioneller Verbrennungsmotoren heranreicht.
Der Wirkungsgrad der Antriebstechnologie muss in der Lage sein, die mitgeführte Energie bestmöglich auszunutzen. Hier ist das Elektroauto allen anderen Antriebstechnologien mit 70% Wirkungsgrad deutlich überlegen.
Fazit zur Mobilität in Deutschland und Europa
Unstrittig ist, dass eine Verkehrswende aus rationalen Gründen notwendig ist, um einen substanziellen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu erreichen. Der politische und gesellschaftliche Wille hierzu fehlt aber an vielen Stellen.
Hast Du Ideen hierzu? Beteilige Dich an der Community-Diskussion! Die Ergebnisse werden in unsere Agenda übernommen!
Viel wird in den vergangenen Wochen geschrieben, behauptet und protestiert, wenn es um die Zukunft des Urheberrechts und den geplanten Artikel 13 geht. Doch was ist der Artikel 13 überhaupt?
Der Artikel ist ein Absatz in der “Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt”, die auch als EU-Urheberrechtsreform bekannt ist. Der erste Entwurf des Reformpakets wurde im September 2018 gebilligt. Noch Mitte Januar wurden die Verhandlungen über die Richtlinie, die zwischen Europäischem Rat, dem EU-Parlament und der EU-Kommission stattfanden, als gescheitert angesehen. Ein von Frankreich und Deutschland initiierter Kompromiss – dem Vernehmen nach haben Frau Merkel und Herr Macron persönlich eingegriffen – verleiht dem Reformvorhaben jedoch neuen Auftrieb, so dass die Verhandlungen nun zügig voranschreiten.
Im Kern ist die EU-Urheberrechtsreform ein Versuch, die Werke von Autoren und Rechteinhabern besser zu schützen. Um dies zu gewährleisten soll nicht wie bisher nur der Nutzer zur Rechenschaft gezogen werden, sondern auch die Plattform, auf die das entsprechende Material hochgeladen wurde. Denn über diese Plattformen machen das geschützte Werk letztlich der Öffentlichkeit zugänglich. Die betroffenen Plattformen, die in der Richtlinie als “content sharing service provider” bezeichnet werden, werden gleichsam verpflichtet, entsprechende Urheberrechtsverletzungen nach bestem Wissen und Gewissen zu verhindern und sollen dies im Falle einer Urheberrechtsverletzung auch nachweisen.
Der Upload Filter
Hier kommt nun der “Upload-Filter” ins Spiel, der im Wortlaut der Richtlinie zwar aktuell nicht vorkommt, jedoch durch die Formulierung implizit gefordert wird: Um Urheberrechtsverletzungen feststellen zu können und diese zu verhindern, muss der Anbieter laufend kontrollieren, welcher Content veröffentlicht wird. Für Social Networks wie Facebook, Twitter und Instagram – um die prominentesten Beispiele zu nennen – bedeutet das eine laufende Überwachung dessen, was die Nutzer auf die Plattform laden. Der Upload oder zumindest die Veröffentlichung durch den Nutzer muss dann unterbunden werden, wenn Zweifel an der Urheberschaft des Inhalts bestehen.
Der Artikel 11 der Richtlinie ist ebenfalls hochgradig umstritten – dabei handelt es sich um das Leistungsschutzrecht, das die Verbreitung von Inhalten ohne Zustimmung des Autors bzw. Rechteinhabers unterbinden soll.
In unserem Wirtschaftssystem spielt Geld eine ganz zentrale Rolle. Doch was ist das Wesen des Geldes? Dazu gibt es im wesentlichen zwei Auffassungen, die sich jedoch in Teilen widersprechen.
Geld ist einerseits ein Maß für Schuldbeziehungen, das seinen Ursprung in Geben und Nehmen traditioneller Gemeinschaften hat. Bei zunehmender Komplexität einer Gesellschaft werden diese Beziehungen per Schuldbuch und Geld formalisiert. Diese Beziehungen werden in der Regel staatlich organisiert – ein gesetzliches Zahlungsmittel entsteht.
Die zweite Auffassung wurde durch Adam Smith geprägt: Geld als Mittel zum Tausch. Nach Adam Smith profitiert eine Gesellschaft von der Spezialisierung des Einzelnen, um die Produktivität maßgeblich zu erhöhen – Geld dient als neutrales Medium zum Tausch der ganz verschiedenen Güter. Damit geht auch einher, dass Geld als Recheneinheit dient mit dessen Hilfe sich Verkaufspreise vergleichen lassen.
Des Weiteren kann Geld auch als Wertaufbewahrungsmittel – Kaufkraft lässt sich lso mit Hilfe von Geld für später kompenieren.
Bis heute dominiert in den Betrachtungen der Wirtschaftswissenschaftler die zweite Auffassung, während die Bedeutung des Geldes als Maßstab für Schuldbeziehungen erst langsam in das Bewusstsein vordringt. Diese Betrachtungsweise stellt uns vor ein fundamentales Problem, denn: Schuldbeziehungen sind in ökonomischen Modellen NICHT abgebildet. Daher kann leider keine Vorhersehbarkeit der Konsequenz von Kreditbeziehungen in volkswirtschaftlichen Modellen gewährleistet werden. Auf diese Weise wurde auch die Finanzkrise nicht vorhergesehen, die auf Schuldbeziehungen und “schlechten Krediten” fusste.
Geldschöpfung
Um die Tragweite von Schuldbeziehungen innerhalb von Geldystemen näher zu erläutern, gehe ich nun auf die Entstehung von Geld ein:
Nahezu in allen modernen Volkswirtschaften ist die Geldversorgung über eine Zusammenarbeit zwischen Zentralbank und dem privaten Bankensektor organisiert. Die Zentralank funktioniert dabei als Garant für Stabilität, die eine Werterhaltung der Währung garantiert.
Geld entsteht durch Kreditvergabe der Banken, ein eingeräumter Kredit führt dabei zur Gutschrift auf ein Konto. Als Bremse für diese Form der Giralgeld-Schöpfung führt die Politik Regularien ein. Für jede Kreditvergabe muss die Bank eine Quote an Eigenkapital aufweisen. Diese Quote liegt aktuell bei 8%. Für jeden Euro an Einlagen bzw. Eigenkapital kann die Geschäftsbank also 12,50 € Kredit vergeben. Die Einlagen lassen sich daher potenzieren – neues Geld wird durch Kreditvergabe geschöpft.
Als zweites Kriterium gilt die Mindestreserve der jeweiligen Bank – dieser Bargeldbestand kann allerdings auch durch Leihen von Zentralbankgeld (gegen Hinterlegung einer Sicherheit – z.B. des Kreditvertrags) eingehalten werden, so dass diese Bremse in Zeiten niedriger Zentralbankzinsen nahezu ausgehebelt ist. Giralgeld ist somit im Wesentlichen Schuldgeld – nämlich das Versprechen, das Guthaben im Bedarfsfall als Bargeld an den Kontoinhaber auszuzahlen.
Ziel der Zentralbank ist, ein Inflationsziel zu erreichen. Durch technischen Fortschritt sinkt Inflation – Güter werden günstiger und ein gewisser Deflationsdruck (Deflation: Das Geld gewinnt an Wert) entsteht. Die Zentralbank sieht sich genötigt, ihre Zinsen so niedrig wie möglich anzusetzen. Dadurch sind bereits in der 90ern die Quantitäten in den Schuldbeziehungen enorm angestiegen.
Viele dieser Schuldbeziehungen sind in der Folge bei geringster Zinserhöhung dann sofort kollabiert. Geld und Schuldbeziehungen können getrost als Öl des fiskalen Motors verstanden werden.
Dabei gilt durch das Zusammenspiel von privaten Banken und der Zentralbank eine öffentlich-private Partnerschaft der Geldproduktion.
Der Theorie nach geschieht die Steuerung der Kreditnachfrage über den Zinssatz der Zentralbank. Wenn dieser jedoch ein Minimum von mehr oder weniger 0% erreicht hat, sind die Instrumente der Zentralbank im Wesentlichen erschöpft – die Zentralbank kann nurmehr direkt in den Markt eingreifen und Anleihen oder Aktien aufkaufen. Das können wir heute vermehrt beobachten und zeugt davon, dass die Steuerung der Kreditnachfrage über Zinsen bereits ausgeschöpft ist.
Bei Nullzinsen gehen der Zentralbank die fiskalen Instrumente aus
Warum funktioniert die Stimulierung der Inflation durch niedrige Zinsen nicht mehr?
Die Antwort lautet: Nullzinsen sind ein Instrument, das nur funktioniert, wenn Kredite gefragt sind und die Banken ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet sind. Ohne ausreichendes Eigenkapital können Banken trotz Nachfrage keine Kredite einräumen. Wenn es denn eine Nachfrage gibt. Um die Effekte des technischen Fortschritts zu kompensieren, sollte die Giralgeldmenge dabei schneller wachsen, als die Deflation durch preiswertere Produkte – das Geldsystem gerät unter Deflations-Druck, wenn dies nicht gelingt. Trotz niedriger Eigenkapitalbestände der Banken werden zusätzliche Kredite generiert, was zu Überschuldung führt. Diese Form der Überschuldung tritt in unserem aktuellen Geldsystem in regelmäßigen Abständen auf und wurde zuletzt in der Finanzkrise und dem Zusammenbruch amerikanischer Großbanken offenbar. Robustheit im finanzpolitischen Sinne ergibt sich stets durch geringe Verschuldung und hohe Liquidität.
Gibt es Alternativen zu unserem aktuellen Geldsystem, dass auf Schuld basiert und somit als Passivgeld bezeichnet werden kann? Ja, diese alternativen Konzepte gibt es. Im Kern wird dabei der Mechanismus der Geldschöpfung von den Banken gelöst und in öffentliche oder private Hand gegeben. Eine Entkopplung von Geldmengenwachstum und Verschuldung führt zu Geldmenge durch Vermögen – Aktivgeld.
Als Aktivgeld-Konzepte sind insbes. zu nennen
Vollgeld Hier erfolgt keine Geldschaffung über Schulden, sondern das Wachstum der Geldmenge liegt allein in der Kontrolle der Zentralbank. Es kann dann individuell oder über die staatlichen Ausgaben in den Verkehr gebracht werden. Die Geldschöpfung soll dabei idealerweise proportional zum Wirtschaftswachstum erfolgen – dies wird als die k%-Regel bezeichnet. Die Zentralbank verwaltet in gewisser Weise eine virtuelle Goldmine. Das neu geschaffene Geld geht je nach politischem Willen an den Bürger, an wirtschaftliche Akteure oder an den Staat. Im Jahr 2018 hat die Schweiz über die Einführung eines Vollgeld-Systems abgestimmt – 74% der Wähler sprach sich gegen die Einführung aus.
Privatisierung der Geldproduktion Das Geldmengenwachstum wird nicht durch Banken oder öffentliche Institutionen gesteuert, sondern liegt in privater Hand. Dieses Konstrukt ist im Grunde eine Rückkehr zu den Anfängen aller Geldsysteme, als in Europa wenige große Bankhäuser in Italien, Spanien und Holland zentrale Akteure des europäischen Geldsystems waren. Die Folge war indes, dass sich eine inhärente Abhängigkeit des gesamten Systems von wenigen privaten Bankhäusern etablierte. Aus offensichtlichen Gründen ist dies nicht wünschenswert, vielmehr sollte diese Abhängigkeit über eine dezentrale Organisation ausgeschlossen werden. Diese Möglichkeit ist uns derzeit durch die Blockchain-Technologie gegeben. Kryptowährungen sind dabei als ein Nachfolger von Gold und Silber zu verstehen. Denn auch zu Zeiten des Goldstandards erhöhte sich die Geldmenge durch den Abbau von Gold, ohne dass einer der Akteure sich verschulden musste. Der Effekt ist ein privates Vollgeldsystem, das traditionelle Währungen jedoch nicht ersetzt sondern vielmehr um eine weitere Säule ergänzt. Durch Privates Vollgeld würden alle Intermediäre (Banken, Zentralbanken) entfallen – jegliche Transaktionskosten entfallen somit. Die Glaubwürdigkeit dieser Alternativen kann zudem durch renommierte Institutionen getragen werden. Einem Facebook-Coin, Google-Coin oder einem Bundesbank-Coin wäre technologisches und inhaltliches Renommee zuzutrauen.
Was ist eine Kryptowährung?
Der ominöse Erfinder des Bitcoins Nakamoto hat ein revolutionäres Geldsystem erfunden, das dezentral organisiert ist und eine Alternative zum Kreditgeld darstellt.
Eine Kryptowährung basiert auf drei Komponenten:
Ein Protokoll dient als Regelwerk und gibt Aufschluss darüber, wie die Teilnehmer Transaktionen abwickeln können.
Die Transaktionshistorie der gesamten Krypto-Geldmenge wird in einem Buch ausgewiesen, dem sogenannten Ledger. Dies ist notwendig, da sich digitale Daten sehr einfach duplizieren und vervielfältigen lassen. Daher ist eine Buchhaltung notwendig, um die Gültigkeit der einzelnen Chargen zu bestätigen. Diese Buchhaltung darf kein Monopol in privater Hand sein. Bei Bitcoin ist sie dezentral (Distributed Ledger) über alle privaten Teilnehmer organisiert.
Die Aktualisierung des Ledgers erfolgt über die Regeln des Protokolls.
Ganz offenbar ist der Ledger und seine im Protokoll festgelegten Regularien – die Aufzeichnung der gesamten Transaktionshistorie – der zentrale Bestandteil einer Krypto-Währung. Die Verwaltung des Ledgers lässt sich auf drei mögliche Arten organisieren:
Zentrale Ledgerverwaltung Eine einzige Kopie des Ledgers wird zentral verwaltet, jede Partei stimmt ihre lokale Datenbank auf die zentrale Datenbank ab, die von zentraler Stelle verwaltet und aktualisiert wird.
Distributed Ledger mit Berechtigung Die einzelnen Parteien benötigen zentral organisierte Schreib- und Leseberechtigungen, um an der dezentralen Transaktionshistorie mitwirken zu können. Beispiel: Identitätskontrolle
Distributed Ledger ohne Berechtigung Jeder Teilnehmer hält stets die gesamte Transaktionshistorie vor. Jede Änderung in der Historie wird an alle aktiven Teilnehmer kommuniziert und wird über einen Konsens-Algorithmus abgestimmt. Nach erfolgreicher Validierung wird der neue, konsistente Datenstamm von allen Teilnehmern übernommen.
Die Blockchain-Technologie hat aktuell einen eher zweifelhaften Ruf. Dabei wurde die Technologie selbst noch nie gehackt – alle Krypto-Diebstähle trafen immer die Börsen und Handelsplätze der einzelnen Währungen.
Gedanken zu Aktivgeld
Inflation wird im Kreditgeldsystem benötigt, um die realen Schuldbeziehungen zu entwerten. Bei Deflation wäre die Rückzahlung von Schulden potenziell nicht möglich, da die Schuld immer weiter anwachsen würde. Im Vollgeldsystem hingegen ist leichte Deflation in Ordnung, da das System nicht auf Schulden und Krediten basiert.
Passivgeld (aus Schulden) ist inhärent ungerecht, da Zugang zu Kredit Aufbau von Vermögen begünstigt. Inflation hingegen bekommen alle ab – Einkommen aus Arbeit wird daher ebenfalls geschmälert.
Wie kann die praktische Umsetzung aussehen? Das staatliche Monopol auf Zahlungsmittel wäre abzuschaffen, privates Vollgeld gleichzeitig zuzulassen. Somit würden viele Experimente entstehen.
Eine Kombination aus öffentlichem und privatem Geld könnte der Gewinner sein. Diese Konstruktion wäre nicht gegen den Euro bzw. Staatlich kontrollierte Währungen gerichtet, aber: Warum muss der Euro alleiniges Zahlungsmittel sein? Nationale Kryptowährungen könnten den Einzelstaaten im Euroraum Kontrolle über ihr regionales Geldsystem zurückgeben.
Politik heute heißt zu einem Großteil Krisenmanagement. Anstatt eine robuste Organisation ohne staatliche Eingriffe zu schaffen, leben wir in fragilen Systemen, die laufend Rettung durch den Staat benötigen. Bestes Beispiel: Der Euro.
Schuldbeziehungen sind immer fragil und verfügen über keine Knautschzonen. Entweder Schulden werden bedient oder nicht. Eigenkapital im Sinne von Vermögen oder Guthaben hingegen ist nicht fragil, sondern stellt einen Puffer im Geldsystem dar.
Der Euro kettet verschiedene Makro-Systeme starr aneinander – Inkompatibilität zwischen den verschiedenen Einheiten wird dabei nicht berücksichtigt.
Links & Literatur
Für diesen Artikel wurden verschiedene Artikel und Podcasts als Grundlage genommen:
Die Transformation zur Wissensgesellschaft – oder warum wir eine politische Revolution brauchen. (mehr …)
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